Barrierefreie Videos: Untertitel

Wenn ich im Zug unterwegs bin und meine Kopfhörer vergessen habe, ist das für mich der Super-GAU. Ich kann keine Musik hören oder Videos mit Ton schauen. Glücklicherweise sind mittlerweile bei zahlreichen Videos Untertitel integriert oder sie können optional dazu geschaltet werden. Ein Feature, das wohl für viele fast nicht mehr wegzudenken ist. Was für die einen ein angenehmes Extra ist, stellt für andere indessen eine Notwendigkeit dar. Menschen mit Gehörlosigkeit sind auf ein alternatives Medienformat wie Untertitel angewiesen, während Menschen mit einer Sehbehinderung eine Audiodeskription oder zumindest eine Inhaltsbeschreibung in Textform benötigen. Es ist essenziell, dass Menschen mit einer Behinderung nicht durch Barrieren wie fehlende Untertitel an der Teilhabe am digitalen Leben gehindert werden.
Text: Teil 1 von 3, Grafik von Untertiteln, Audiodeskription und Gebärdensprache

In dieser dreiteiligen Blog-Serie möchte ich darstellen, welche Alternativen Sie zu einem Video ergänzen müssen, sodass dieses nach den WCAG-Kriterien den Inhalt barrierefrei übermittelt. Dabei geht es um Videos, die nicht als Zusatz zu einem Text bereitgestellt werden und denselben Inhalt vermitteln. In so einem Fall wäre nämlich keine weitere Medienalternative notwendig.

Als Medienalternativen eignen sich bei Videos die Audiodeskription sowie Textalternativen und Untertitel. Doch was wird in welchem Fall benötigt?

Wenden wir uns als Erstes den Untertiteln zu.

Untertitel

Untertitel müssen ergänzt werden, wenn die Audiospur wichtige Informationen vermittelt und der Inhalt ohne diese nicht verstanden werden kann. Untertitel dienen unter anderem Menschen mit einer Hörbehinderung.

Relevant dabei ist das WCAG-Kriterium 1.2.2 auf der Stufe A für ein aufgezeichnetes Video und Kriterium 1.2.4 auf Stufe AA für ein Live-Video.

Falls die Audiospur keine relevanten Informationen enthält – beispielsweise wird lediglich Hintergrundmusik abgespielt – können Sie die Untertitel weglassen. Idealerweise lassen Sie die Benutzer:innen wissen, dass sie keine Audioinhalte verpassen (z.B. als Untertitel «fröhliche Musik», o.ä.)

Was müssen Untertitel enthalten?

Generell enthalten Untertitel den gesprochenen Inhalt. Je nach Platz- und Zeitbeschränkung wird dieser Inhalt auf das Essentielle gekürzt. Im Deutschen wird meistens von Untertiteln gesprochen, für unterschiedliche Arten von Untertiteln gibt es keine einheitlichen Bezeichnungen. Im Englischen hingegen wird konsequenter unterschieden zwischen Untertiteln («subtitles») und Captions respektive SDH. Untertitel geben das Gesprochene in einer anderen Sprache wieder; also für Menschen, welche die Originalsprache des Videos nicht verstehen. Captions oder auch SDH dagegen stehen in der Regel in der Originalsprache und enthalten auch nicht-gesprochene Elemente. Wer schon einmal auf Netflix Untertitel dazugeschaltet hat, dem ist sicherlich der Zusatz SDH oder CC («Closed Captions») aufgefallen. SDH steht nämlich für «Subtitles for the Deaf and Hard-of-Hearing», also Untertitel für Menschen mit Schwerhörigkeit oder Hörverlust. Zu den nicht-gesprochenen Elementen gehören Sprecheridentifikation, Geräusche oder Musik. Die SDH sind auch die von den WCAG geforderten Untertitel.

Schwarz-Weiss-Bild von Laurel und Hardy in einem schön eingerichteten Raum, beide blicken nach links. Am unteren Bildrand steht in weissen Grossbuchstaben der Untertitel "knocking on door".
Szene aus dem US-amerikanischen Kurzfilm «Die brennende Nachbarin» aus dem Jahr 1929. Untertiteltes Geräusch: «Klopfen an der Tür». Quelle: Lewis R. Foster, Public domain, via Wikimedia Commons

Weiterhin wird bei Untertiteln zwischen «Open» und «Closed Captions» (CC) unterschieden. «Open Captions» sind im Video eingebrannte Untertitel, während «Closed Captions» ein- und ausblendbar sind. Wir empfehlen, nach Möglichkeit immer die «closed»-Variante anzubieten, denn sie lassen sich je nach Videoplayer sehr individuell einstellen (Grösse, Farbe etc.).

Wie kann ich Live-Untertitel gewährleisten?

Heutzutage gibt es viele Programme, die Untertitel automatisch erstellen oder das manuelle Erstellen erleichtern. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass automatisch generierte Untertitel fehlerhaft sein können und zusätzliche Beschreibungen von Geräuschen u. ä. nicht untertitelt werden. Auch die Sprecheridentifikation fehlt. Diese Punkte benötigen eine zeitgleiche oder zumindest nachträgliche manuelle Korrektur.

Live-Untertitelung findet aber nicht immer über Tastatureingabe oder automatisiert statt. Beim sogenannten «Respeaking» werden Untertitel erstellt, indem eine Person der Audiospur zuhört und ihren Inhalt gleichzeitig mitsamt Satzzeichen und anderen wichtigen Informationen wiedergibt. Das Gesprochene erscheint dann als Text auf dem Bildschirm. Das Respeaking kommt beispielsweise in Live-Sendungen im Fernsehen oder auch in Vorlesungen zum Einsatz, damit die Verzögerung zwischen Audiospur und Untertitel möglichst gering ist.

Wieso Untertitel, wenn es bereits eine Textalternative gibt?

Eine Textalternative enthält sowohl alle auditiven als auch visuellen Inhalte in der korrekten Reihenfolge eines Videos (mehr Information zur Textalternative in Teil 2 dieser Blog-Serie).

Hätten Menschen mit einer Hörbehinderung nur einen Text zur Verfügung, müssten sie abwechslungsweise zwischen dem Video und dem Text hin- und herspringen. Dies ist nicht zielführend und erfordert einen höheren kognitiven Aufwand oder sogar ein ständiges Stoppen des Videos. Untertitel haben derweil den Vorteil, dass sie synchron zum visuellen Inhalt gelesen werden können.

In Teil 2 dieser Serie erfahren Sie mehr über Audiodeskription und Textalternativen.

Weiterführende Informationen zum Thema Untertitel im Rahmen der WCAG finden Sie auch unter dem folgenden Link (nur auf Englisch verfügbar): https://www.w3.org/WAI/media/av/captions/. Oder lassen Sie sich gerne von Expert:innen unseres Teams beraten.

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