Wenn die Information in einer bereits bestehenden Audiospur zum Verständnis nicht ausreicht oder es gar keine Audiospur gibt, ist eine Audiodeskription oder eine Textalternative notwendig. Sie richten sich in erster Linie an Menschen mit einer Sehbehinderung, können aber auch beispielsweise für Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung eine wertvolle Ergänzung sein. Die Kriterien 1.2.1 und 1.2.3 lassen die Wahl zwischen Audiodeskription und Textalternative. Wenn Sie aber Stufe AA erreichen möchten, müssen Sie zwingend eine Audiodeskription zur Verfügung stellen. Damit ist dann auch gleich das A-Kriterium 1.2.1 respektive 1.2.3 erfüllt.
Was ist eine Textalternative?
Im Unterschied zu einem Transkript, das den reinen Audioinhalt schriftlich wiedergibt, soll eine Textalternative sowohl alle auditiven als auch visuellen Inhalte enthalten. Auch nicht gesprochene Geräusche werden ergänzt. Genau wie bei einem Transkript gibt die Textalternative den Inhalt des Videos chronologisch wieder. Der benutzenden Person sollen zudem dieselben Möglichkeiten zur Verfügung stehen wie allen anderen. Beispielsweise die Aussage «Dieses Produkt kannst du unter dem hier eingeblendeten Link erwerben.» setzt voraus, dass in der Textalternative definiert wird, um welches Produkt es sich handelt (wenn nur visuell erkennbar) und dass der entsprechende Link ergänzt wird.
Der Text ist also eine Mischung aus direkter Rede und beschreibenden Elementen.
Was ist eine Audiodeskription?
In einer Audiodeskription werden in den Sprechpausen die visuellen Elemente des Videos beschrieben. Das bezieht sich auf Elemente wie Charaktere, Handlungen oder Szenenwechsel. Dazu gehören auch Einblendungen von Text, Namen und Links, wenn diese in der vorhandenen Audiospur nicht erwähnt werden. Da in den Sprechpausen je nach Video sehr wenig Zeit zur Verfügung steht, kann in einer Audiodeskription nicht alles vollständig wiedergeben werden. Bei der erweiterten Audiodeskription wird dieses Problem gelöst, indem die Videospur zeitweise angehalten wird, um so mehr Raum für die Audiodeskription zu lassen. Diese fortgeschrittene Umsetzung ist erst auf Stufe AAA Voraussetzung.
Ein Beispiel für eine Audiodeskription:
Serie «SRF bi de Lüt – Z’Alp», Staffel 6, Episode 1. Aufgerufen über Play SRF.
Es fällt auf, dass gewisse Informationen in der Audiodeskription zeitlich vorgezogen werden. Das hängt stark davon ab, wann eine Sprechpause vorhanden ist. Das Verständnis des Inhalts soll dabei aber nicht beeinträchtigt werden.
Soll ich mich für eine Audiodeskription oder eine Textalternative entscheiden?
Es hat beides seine Vor- und Nachteile und die Benutzenden haben sicherlich unterschiedliche Präferenzen. Beide Medien richten sich vor allem an Menschen mit einer Sehbehinderung.
Die Audiodeskription bietet den Vorteil, dass sie synchron zum Video läuft und die Audiospur ergänzt. Der Nachteil ist, dass die Sprechpausen nicht immer genügend Zeit bieten, alles Visuelle zu beschreiben.
Eine Textalternative kann für mehrere Zielgruppen hilfreich sein. Menschen mit einer Sehbehinderung können sich den Text via Screenreader oder über eine angeschlossene Braillezeile ausgeben lassen. Menschen mit Schwierigkeiten, Gesprochenes, Visuelles oder auch Gehörtes (schnell) zu verarbeiten, können sich dank des Textes mehr Zeit lassen und auch Textstellen einfacher wiederholen. Allerdings kann ein Text die Emotionen eines Sprechers oder einer Schauspielerin nicht so wiedergeben wie der Originalton.
Textalternativen bringen auch Benefits für Menschen ohne Behinderung: Texte lassen sich im Gegensatz zu einem Video oder Audio rasch querlesen; man kann sie in lauter oder leiser Umgebung ohne Ton konsumieren, und sie tragen dank Textdurchsuchung zur SEO bei.
Nach WCAG reicht es auf der Stufe A, wenn eine Textalternative angeboten wird (Kriterium 1.2.3). Auf Stufe AA ist für ein Video mit visuellen Informationen eine Audiodeskription gefordert (Kriterium 1.2.5). Wer seine Webseite WCAG-konform auf der Stufe AA bereitstellen will, sollte die Möglichkeit einer Audiodeskription für Videos von Beginn an mitberücksichtigen. Beispielsweise, indem zwischen den gesprochenen Inhalten genügend Zeit für Audiodeskription eingeplant wird und/oder wichtige Infos wie Namen der Sprecher:innen nicht nur eingeblendet, sondern auch im Audio genannt werden.
Im dritten und letzten Teil dieser Serie erfahren Sie mehr über die Gebärdensprache.
Weiterführende Informationen zum Thema Audiodeskription respektive Textalternative im Rahmen der WCAG finden Sie unter den folgenden Links (nur auf Englisch verfügbar): https://www.w3.org/WAI/media/av/description/ und https://www.w3.org/WAI/media/av/transcripts/. Oder lassen Sie sich gerne von Expert:innen unseres Teams beraten.

